Ich behaupte, über 40 Jahre Führungserfahrung zu haben.
Das ist die Wahrheit. Und trotzdem glaubt mir das niemand – zumindest nicht auf den ersten Blick.
Esenija Schwerdfeger
Meine Superkraft
Mit eineinhalb Jahren begann es. Als mein Bruder geboren wurde, wurde ich angeleitet, mich um ihn zu kümmern. Als der zweite kam, war ich fast sechs. Und ab da wurde es ernst.
Stück für Stück bekam ich Verantwortung übertragen. Für andere. Für ihre Sicherheit. Für ihr Wohlergehen.
Meine Kindheit endete früh. Und gleichzeitig entstand etwas, dass zum größten Geschenk meines Lebens werden sollte – eine Fähigkeit, die ich damals noch nicht benennen konnte:
Menschen lesen.
Nicht als Talent. Sondern als Überlebensstrategie. Ich lernte, Verhalten vorherzusagen, Bedürfnisse zu erkennen, bevor sie ausgesprochen wurden, und Situationen zu lenken, bevor sie eskalierten. Ich tat es, um mich zu schützen. Und um andere zu schützen.
Diese Fähigkeit habe ich dann ein Leben lang verfeinert.


Meine Berufung
Ich habe einen Beruf gewählt, in dem genau das zählt.
Lehrerin zu sein bedeutet nicht, Wissen zu vermitteln. Es bedeutet, täglich Menschen zu führen, die nicht freiwillig dort sind. Die gezwungen werden, mit Menschen zusammen zu sein, die sie sich nicht ausgesucht haben. Dinge zu tun, die sie nicht tun wollen. Einem Menschen zuzuhören, dem sie nicht zuhören wollen.
Und sie spiegeln dir minütlich, was sie von deiner Führung halten. Unmittelbar. Manchmal sehr klar. „Manchmal so durch die Blume, dass es wirklich nicht nach Veilchen duftet.“
21 Jahre lang. Täglich. Ohne Entkommen.
Mein wichtigstes Learning aus dieser Zeit: Du führst durch Vorleben. Nicht durch Anweisungen.
Der Bruch
Und dann kam der Moment, in dem nichts mehr ging.
Kein dramatischer Einschnitt von außen. Sondern der Zusammenbruch eines Systems, das ich selbst gebaut hatte – aus Pflichtgefühl, Stärke und dem tiefen Glauben, dass Funktionieren dasselbe ist wie Leben.
Es war nicht das Ende. Es war der Anfang.
Zum ersten Mal habe ich mich mir selbst zugewendet. Meinem Nervensystem. Meinen Prägungen. Meinen Glaubenssystemen. Den Mustern, die ich so früh entwickelt hatte, dass ich sie längst für meine Persönlichkeit gehalten hatte.
Ich habe gelernt, was Sicherheit wirklich bedeutet – nicht als äußerer Zustand, sondern als innere Haltung. Ich habe meine Werte definiert. Und ich habe verstanden, was ein selbstbestimmtes, gesundes und glückliches Leben trägt:
Verbundenheit. Mit sich selbst. Mit anderen. Mit dem, wofür man steht.


Die Freiheit der Entscheidung
Danach habe ich eine Entscheidung getroffen.
Nach 21 Jahren habe ich die Sicherheit gegen die Freiheit getauscht. Nicht weil ich musste. Sondern weil ich wollte.
Weil ich verstanden hatte, dass meine Erfahrung, mein Wissen und meine Haltung in einem neuen Kontext mehr bewegen können. Für Eltern. Für Führungskräfte. Für Schulen.
Die Erkenntnis
Heute bringe ich drei Dinge zusammen, die normalerweise getrennt voneinander betrachtet werden:
21 Jahre Bildungssystem von innen. Die Sprache des Nervensystems. Und ein klarer Blick auf die KI-Welt, in der wir leben und unsere Kinder aufwachsen.
Nicht als drei separate Themen. Sondern als ein Ganzes.
Weil es im Leben der Menschen, mit denen ich arbeite, auch ein Ganzes ist.
It’s never just school.

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